Garmin fēnix 3 im Test

nach Aktivität“Die größte Wertschätzung einer Leistung ist eine gut durchdachte Kritik” – denn nur durch Lob, Fragen und Verbesserungsvorschläge können sich Dinge weiterentwickeln. Unter diesem Motto möchte ich heute die intelligente Multisport-GPS-Uhr fēnix 3 unter die Lupe nehmen, die ich von Garmin für drei Monate zum Testen bekommen habe.

Die ersten Eindrücke

Beim Durchlesen der Produktbeschreibung war ich schlichtweg begeistert. Egal, was man sich vorstellen konnte, um sportlich aktiv zu sein, die fēnix 3 hatte es. Und auch noch in Farbe! Dazu die unterschiedlichen Kommunikationsmöglichkeiten: es würde nicht mehr nötig sein, den Rechner hochzufahren, entweder wird direkt mit der Stopptaste alles über WLAN hochgeladen, oder aber, falls nicht verfügbar, mittels Bluetooth ans Handy gesandt und von dort hochgeladen.

Uhr analogAls ich die Uhr dann endlich auspacken durfte, kamen leider die ersten Enttäuschungen. Das Design und insbesondere die „digitale Analoganzeige“ machen einiges her. Das Armband ist so angenehm, dass man die Uhr eigentlich nie ablegen muss. Die Übertragung meiner Daten (Geschlecht, Gewicht, etc.) von Garmin Connect hatte trotz Verbindung zum Computer allerdings nicht geklappt.
So konnte ich aber gleich erste Erfahrung mit der intuitiven Menüführung machen. Trotz der vielen Einstellungsmöglichkeiten bleibt diese immer übersichtlich, die Usability ist sehr hoch.

Kritik auf hohem Niveau

Was nach dem ersten Lauf nicht funktionierte: weder das automatische Hochladen über WLAN, noch die Verbindung über Bluetooth mit dem Handy. Nach mehreren Updates im ersten Monat konnte zumindest das erste Problem behoben werden, und das Hochladen mit bekanntem WLAN Netzwerk funktioniert einwandfrei. Sehr praktisch! Das Verbinden mit dem Handy klappt leider bis heute nicht, obwohl ich es mir insbesondere für Reisen wünschen würde. Wie heißt es so schön: „hast du kein iPhone, dann hast du kein iPhone!“.

AktivitätsübersichtDen letzten Mängel, den ich aufzudecken habe, ist die Messgenauigkeit der Streckenlänge beim Laufen. Zum einen hatte ich wegen der Möglichkeit, neben GPS auch GLONASS zu nutzen, auf eine höhere Präzision gehofft. Weiterhin kann bei der Uhr „Traillauf“ als Aktivität gewählt werden, insbesondere auf Pfaden wie auch in der Stadt hat die Uhr aber Probleme mit der Messgenauigkeit. Auf 10 Kilometern weicht die fēnix 3 um bis zu +/- 400 m ab (siehe hier mehr). Als normal würde ich bei reinen GPS-Uhren eine Abweichung von +/- 200 m bezeichnen. Hier müsste meiner Meinung nach am Algorithmus gearbeitet werden. Denn beim Rennradfahren auf „richtigen“ Straßen ist die Messung sehr genau, weicht auf 100 km um weniger als 1 % ab. Dennoch gibt die Uhr die Streckenlänge der Läufe auf die zweite Nachkommastelle an (z. B. 9,64 km) und erzeugt dadurch die Illusion, genauer zu messen als überhaupt möglich! Im Gegensatz dazu geht bei der Anzeige der aktuellen Laufgeschwindigkeit der Trend schon in die richtige Richtung: diese zeigt die fēnix 3 nur in 5“ Schritten an.

Einhergehend mit dieser Problematik: die Zwischenzeiten. Ein Beispiel: Ich laufe über länger Zeit (90′) sehr konstante 3’55/km und habe die Auto-Lap-Funktion aktiviert. Die Uhr zeigt mir deshalb jeden Kilometer die Zwischenzeit. Statt dass nun aber die Zeiten zwischen 3’50 und 4’00 oder auch 3’45 und 4’05 schwanken, bekomme ich Werte zwischen 3’20 und 4’30 angezeigt! Hier sollte die Rückkopplung mit den anderen erhobenen Messwerten besser werden: Denn wenn der Puls ungefähr konstant bleibt und es weder bergauf noch bergab geht, sollte auch die Laufgeschwindigkeit in etwa gleich bleiben.

In der Praxis

GesamtMittlerweile habe ich seit dem 24.04. 150 Einheiten mit der Uhr absolviert und damit knapp 2000 Trainingskilometer aufgezeichnet, sowie das Gerät fast täglich getragen. Damit denke ich, mir ein gutes Bild über die Funktionen beim Laufen und Radfahren gemacht zu haben. Außerdem habe ich die übrigen Funktionen, soweit mir möglich (kein iPhone), ausgiebig getestet.

Die größten Highlights

Was wirklich richtig gut ist, und mir am besten an der fēnix 3 gefällt ist, dass es so gut wie sofort losgehen kann, mit der sportlichen Aktivität. Es braucht selten länger als nur 10 Sekunden, um sowohl Satellitenempfang als auch Kontakt zum Pulsgurt zu haben. Die lästige Wartezeit entfällt komplett!

Außerdem wirklich klasse: die Navigation der Uhr. Zum einen kann einfach drauf los gelaufen werden – egal wo man ist, die fēnix 3 weist den Weg zurück. Sowohl mit Himmelsrichtung, als auch mit Abstand zum Ausgangspunkt (Luftlinie). Dadurch kann sich in fremden Regionen komplett auf die Umgebung konzentriert werden, man braucht sich keine Gedanken um den Rückweg zu machen. Auch Runden werden so in der Fremde ganz einfach möglich. Außerdem kann von vornherein eine Strecke festgelegt werden. Der einzige Nachteil ist, dass es nicht möglich war, eine Strecke per Datei zu importieren; die Route muss auf der online Plattform von Garmin, Garmin connect, manuell erstellt werden. Ist die Strecke erst einmal auf der Uhr, kann sie kinderleicht abgelaufen bzw. -gefahren werden. Die schwarze Linie zeigt an, wo es hingeht, die grüne, woher man kommt. Weicht man von der Strecke ab, weist einen die Uhr mittels Vibration darauf hin. Zusätzlich sind Kompasssensoren in die Uhr integriert, die Orientierung schaffen können.

Das dritte große Highlight der Uhr ist die Akkulaufzeit (laut Angabe bis zu 50 Stunden im UltraTrac-Modus, 20 Stunden im GPS-Modus und bis zu 6 Wochen im Uhrmodus). Durch den sogenannten UltraTrac-Modus kann dieser im GPS-Modus geschont werden, was aber eigentlich überhaupt nicht nötig ist. Wenn voll geladen ist die Akkuanzeige nach vierstündigem Dauertest mit Messpunkten im 1 Hz Rhythmus immer noch auf 75%! Ein Ladevorgang pro Woche ist für jeden Anwender mehr als genug. Klasse!

Spielereien
SchritteSchlafDer activity tracker zählt die täglich gemachten Schritte, und das meiner Meinung nach relativ genau. Abweichungen kommen dann zu Stande, wenn es im Auto oder auf dem Rad ruckelt. Beim Gehen und Laufen an sich zählt die Uhr aber exakt so viele Schritte wie ich beim mitzählen. Es gibt ein tägliches Ziel, welches automatisch angepasst wird. Bei mir hat es sich bei knapp 16000 täglich zu machenden Schritten eingependelt. Wird das Ziel erreicht, gibt es ein Feuerwerk auf dem Display. Zusätzlich gibt es eine Inaktivitätsleiste. Wer lange sitzt, wird durch Vibration aufgefordert, sich zu bewegen. Nach zweihundert Schritten wird die Leiste wieder zurückgesetzt. Ferner wird, wenn im Schlaf getragen, dieser überwacht. Am Rechner kann man sich dann anzeigen lassen, zu welchen Uhrzeiten man wie aktiv war: ob man wie tot gelegen hat oder ob es Bewegungen gab. Insgesamt eine nette Spielerei.
Übrigens: wer die Uhr nachts trägt, kann sich natürlich wecken lassen. Der Wecker macht durch Ton und Vibration zuverlässig wach, ohne penetrant zu sein.

VO2maxDie Uhr berechnet, sobald intensive Belastungen beim Laufen und Radfahren absolviert wurden, und dabei der Pulsgurt getragen wurde, für beide Sportarten die VO2max. Ich bin zwar nicht der größte Fan dieses Messwerts, lustig ist es dennoch. Zugeordnet sind Prognosen für die derzeit mögliche Wettkampfleistung über 5, 10, 21,1 und 42,2 km.

Ebenfalls wird in Kombination mit dem Pulsgurt die Schrittfrequenz, die Vertikalbewegung, die Bodenkontaktzeit sowie die Temperatur gemessen. Die Schrittfrequenz ist exakt. Wie genau die Messung von Vertikalbewegung und Bodenkontaktzeit ist, kann ich nicht beurteilen. Die Temperatur hingegen kann um mehrere Grad Celsius schwanken. Wer diese exakt messen möchte, der sei auf einen zusätzlich erhältlichen Temperatursensor („tempe“) verwiesen.

HöhenmesserDie Uhr verfügt außerdem über einen barometrischen Höhenmesser, den man jederzeit im Menü verfolgen kann. Ganz besonders interessant wird es, wenn man beispielsweise mehrmals Treppen läuft bzw. Aufzug fährt. So entstehen auf dem Display Plateaus.
Ich gehe davon aus, dass die fēnix 3 durch das Barometer die Höhenmeter sehr exakt messen kann. Was mich – insbesondere bei längeren Radausfahrten – aber wunderte, war die große Differenz zu anderen Geräten. Zugegeben, Handymessungen sind wahrlich kein würdiger Vergleich; diese zeigten aber ebenso ca. doppelt so viele Höhenmeter an wie beispielsweise die fēnix 2, die ebenfalls über einen barometrischen Höhenmesser verfügt.

Eine weitere Spielerei der Uhr ist der so genannte Erholungsratgeber. In Verbindung mit der gemessenen Pulsschlagvariabilität wird (innerhalb der ersten 10-20 Trainingsminuten) überprüft, ob die Erholung bereits ausreicht, um zum nächsten Training zu starten. Nach einem Training wiederum gibt die Uhr einen Wert in Stunden oder Tagen, wie lange die Erholung ungefähr dauern wird.

Sonstiges
Die Messung der Herzfrequenz war über den gesamten Testzeitraum äußerst zuverlässig, ohne einen einzigen Aussetzer. Auch die Messwerte waren durchweg plausibel. Ein großes Lob an dieser Stelle, ich denke nicht, dass sich bei der Pulsmessung beispielsweise vor Polar noch versteckt werden muss.

Beim Satelliten-Signal hingegen gab es insgesamt zwei Aussetzer, wodurch die Uhr 500 bzw. 800 m Luftlinie zu Punkten aufzeichnete, an denen ich nie war. Kommt vor. Ebenso ärgerlich: wenn man Stopp drückt, um beispielsweise an einem Treffpunkt auf andere zu warten oder um einen Platten zu flicken, kommt es häufig vor, dass danach keine Strecke mehr aufgezeichnet wird. Das Signal wird verloren und nicht wiedergefunden. Hier müsste sich schnell etwas verbessern lassen, insbesondere doch deshalb, weil das schnelle Signalfinden mit der größte Pluspunkt der fēnix 3 ist!

Keine Aussage machen kann ich zur Smartwatch-Funktion sowie zu anderen Sportarten, die ich nur sehr sporadisch ausübe. Ungetestet blieben ferner der Trainingsplan, der virtuelle Laufpartner sowie die Kontrolle der Kalorienzufuhr.

Fazit
Man könnte meinen, die fēnix 3 erhebe Anspruch auf Vollständigkeit, denn die Uhr vereint alle erdenklichen Funktionen in einem Gerät. Hat dadurch eventuell die Messgenauigkeit beim Laufen gelitten? So ist die fēnix 3 eine schnieke Alltagsuhr mit activity tracker für Abenteurer, die gerne Neues entdecken: sowohl Strecken, die geplant sind wie auch das komplett Ungewisse, aus dem die Uhr sicher zurücknavigiert. Für solche, die Wert auf jeden zurückgelegten Trainingsmeter legen, ist die Uhr allerdings (noch) nicht gemacht.
Die fēnix 3 ist eine Alltagsuhr, die auch GPS kann – keine GPS-Uhr, die auch für den Alltag gemacht ist.

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5 Gedanken zu „Garmin fēnix 3 im Test

  1. Hi Markus!

    Was mich noch interessieren würde: wie findest Du die Größe? Ich kenne nur die Fenix und Fenix 2 und es waren riesige Klöpper am Handgelenk. Furchtbar. Weit gefehlt von einer alltagstauglichen Uhr.

    Viele Grüße

    Thomas

    • Hi Thomas,
      von der reinen Größe her ist die fenix 3 mit den Vorgängern vergleichbar, nur etwas flacher. Ich fand sie immer sehr angenehm zu tragen – sowohl im Training, wie auch im Alltag!
      Viele Grüße
      Markus

  2. Pingback: Der GPS-Vergleich, Teil 2 | Laufen hilft!

  3. Hi,
    Danke für den Test den ich durch eigene Erfahrung so jederzeit unterschreiben würde.
    Was mich allerdings ein wenig stört ist die Angabe der Kalorien. Ich habe eine Zeit lang die Polar V800 gehabt und parallel noch Runtastic. Beide sagen mir nach einem Halbmarathon (1:36:10 Pace 4:30 min/km) das ich ca. 1440 Kalorien verbrannt habe. Die Fenix 3 gibt 300 Kalorien weniger. Das gleiche beim Mountain Biken: 35km und 700 Höhenmeter in 1:50h. V800 und Runtastic sagen 1800…..Fenix3 kommt auf 1100. Ich finde das schon sehr wenig. Wenn ich nicht wüsste das ich zwischen 2700-3000 kcal täglichen Essen muss um nicht abzunehmen, wäre ich nach ein paar Wochen mit der Fenix ein Strich in der Landschaft 🙂 Wie sind Deine Erfahrungen damit?

    Viele Grüße
    Mathias

    • Danke für deine Rückmeldung, Mathias!
      Auf die Kalorienangaben achte ich nicht spezifisch. Mir ist aber auch schon aufgefallen, dass die Berechnungen teilweise deutlich voneinander abweichen.
      Generell finde ich die Berechnung auch schwierig, weil der Energieverbrauch sich auch bei gleichem Gewicht, Tempo und Strecke durch die Laufökonomie unterscheiden kann. Ich würde die Werte immer nur als Schätzungen ansehen.

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